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Tollkirsche (Atropa belladonna)

in .: T :. 19.05.2008 21:45
von Opus Noctis • Mitglied | 39 Beiträge
Tollkirsche (Atropa belladonna)
(+ich beziehe mich hier bewusst auf die Atropa belladonna und nicht allgemein auf die Familie der Atropa, da sie den hier wohl geläufigsten Vertreter dieser Pflanzenfamilie darstellen dürfte+)


Aussehen:

Die mehrjährige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse fällt mit einer Höhe von bis zu 1,70 durch ihre dunklen, meist schwarz aber ab und an auch bräunlich, selten gelben (Atropa belladonna var. lutea), jedoch niemals roten beerenartigen Früchte auf, die in der Sonne lackartig glänzen. Wenn man die Frucht aufschneidet fällt die Ähnlichkeit mit der Tomate auf, da auch ihre Frucht in Kammern geteilt ist (in 2 um genau zu sein). Außerdem umgibt die Frucht ein kelchartiges Gebilde aus 5 Blättern, die in Sternform angeordnet sind. Der Stiel, sowie auch die Blätter sind mit feinen Härchen besetzt. Die Pflanze selbst sieht dabei Strauchartig aus und blüht ab Juni blauviolett, wobei von Juli bis August die Beeren in Erscheinung treten.


Fundstellen:

Man findet die Pflanze in Süd und Mitteleuropa, Kleinasien und Nordafrika. Bei uns ist sie zwar (noch) eher selten, doch findet man sie, wenn man lange genug sucht meist nahe bei Wäldern, verwilderten Äckern oder Lichtungen auf mittelfeucht bis trockenen kalkhaltigen Böden.


Inhaltsstoffe:

Die wirksamen Bestandteile der Pflanze sind Tropanalkaloide, so das Racemat Atropin (ein 1:1 Gemisch aus R und S-Hyoscyamin), Hyoscin (Scorpolamin), Scopoletin, Belladonnin und Apoatropin.


Eigenschaften und Verwendung:

Die Pflanze ist in ihrer Gesammtheit sehr giftig, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Wurzel (Belladonnae radix), sowie die Blätter (Belladonnae folium) der Pflanze gerichtet sei, da in ihnen eine besonders hohe Konzentration der Inhaltsstoffe herscht. Die Blätter können in geringer konzentration krampflösend wirken (ich möchte hier jedoch von der Verwendung durch unerfahrene abraten, da bereits Mengen von 0,3-0,5g Vergiftungen hervorrufen können). Die Wurzel hat hohen Alkaloidanteil und wird als Sud gekocht (doch auch hier möchte ich vom Gebrauch abraten, da die Gefahr der Fehldosierung besteht). Genutzt wurde die Tolkirsche auch als Mittel gegen Parkinson, so wie zur damals modischen "Schwärzung" der Augen indem die Frauen den Saft der Tollkirsche in ihre Augen tropften, wodurch sie ihre Pupillen erweiterten und die Augen schwarz erscheinen ließ (das sollte man bitte nicht nachmachen... kauft euch lieber Kontaktlinsen...)


Vergiftungserscheinungen:

Meist sind Pupillenerweiterung, warme Haut, Halluzinationen, Wutanfälle, sowie Verwirrtheit und Schreikrämpfe zu beobachten.


Mythologisches:

Man nennt sie Atropa belladonna, was soviel heißt wie "schöne Frau". Das rührt daher, weil sie von einem schönen weiblichen Dämon beseelt sein soll. Dieses Bild entstand jedoch im Zuge der Christianisierung und trägt milde zur Dämonisierung heidnischer Gottheiten bei. Sie nimmt Bezug auf die aus der griechischen Mythologie stammende Schicksalsgöttin Atropos, die der Sage nach das Leben beendet. Einen weiteren Anhaltspunkt bietet uns der germanische Saagenkreis, da die Tollkirsche auch unter dem Namen Wolfswurz bekannt ist. Der Wolf als Tier des Wotan steht für Wut, Unbändigkeit und Raserei, was zweifelsohne die Wirkung der Tollkirsche beschreibt. Auch im Hexenkult und der Alchemie findet man die Tollkirsche wieder. Sie wird hier oft als berauschendes oder horizonterweiterndes Mittel genutzt, sowie als Gift oder als Zutat für Liebestränke oder Salben.


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